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04 Juni 2015

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04 Juni 2015

Thielen zum Weltflüchtlingstag am 20.6.2015:

Ressourcen teilen!

Appell für eine globale Allianz gegen Armut und für Aufbauhilfe in den Heimatländern

Gütersloh, 12. Juni 2015. – Die Zahl ist kaum vorstellbar: Mehr als 50 Millionen Menschen sind laut Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen weltweit auf der Flucht vor Krieg und Gewalt, Naturkatastrophen und Armut. Krisen rund um den Globus haben gewaltige Migrationsbewegungen  in Gang gesetzt – zeitgleich, kontinuierlich wachsend, Tendenz: weiter steigend. 

Globalisierung verringert Distanzen

Wir erleben, wie sich im Zeitalter der Globalisierung die Distanzen verringern. Die Betroffenheit rückt näher, wird unmittelbar und zeitgleich miterlebt – auch bei uns in Deutschland. In den Medien sehen wir die Bilder von Kämpfen und Flüchtlingslagern in Syrien, von Selbstmordanschlägen in Afghanistan, Erdbeben-Opfern in Nepal, von überfüllten Flüchtlings-Booten im Indischen Ozean und im Mittelmeer. Millionen Menschen, die aus Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ihre Heimat verlassen. Jeder einzelne von ihnen mit schrecklichen Erlebnissen, viele traumatisiert. 

Die persönlichen Geschichten der Flüchtlinge kennen wir nicht. Nur ganz vereinzelt erfahren wir von Schicksalen, die uns zutiefst betroffen machen. Auch den jungen unbegleiteten Flüchtlingen, die unsere Walter Blüchert Stiftung zusammen mit dem Land NRW und der Stadt Dortmund im Projekt „Angekommen“ fördert, fällt es schwer, über ihre Erlebnisse während der Flucht zu sprechen. Sie haben nur einen Wunsch: eine neue Heimat zu finden. Mit einem passgenauen Bildungsangebot wollen wir ihnen den Weg dafür ebnen.

Vielerorts Hilflosigkeit

200.000 Asylanträgen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gestellt. Es sieht so aus, als seien die Verantwortlichen überrascht worden von den Zuwanderungsströmen. Überfüllte Auffangstationen, überforderte, zögerliche Verwaltungen, verunsicherte Bürger vermitteln nicht gerade den Eindruck von Souveränität im Umgang mit der aktuellen Flüchtlingswelle. 

Da verwundert es nicht, dass sich in der Bevölkerung – neben Verständnis und Hilfsbereitschaft – vielerorts auch ein Gefühl der Hilflosigkeit, Sorge und Angst vor einer Bedrohung  durch die Menge der Neuankömmlinge breit macht. Rechtsradikale Gruppen schüren fremdenfeindliche Stimmung, Pegida-Anhänger demonstrieren. Aber das sind Ausnahmen. Mehrheitlich funktioniert das Miteinander und das soziale Engagement der Bürger – noch.

Menschliche Solidarität gefordert

Angesichts immer neuer Flüchtlingskatastrophen appelliert Papst Franziskus an menschliche Solidarität. Statt Abwehr, Ausgrenzung oder Desinteresse verlangt er eine Kultur der Begegnung: ein universales Netz des Zusammenwirkens im Kampf gegen Unrecht, Ausbeutung, Gewalt und Menschenhandel. Dazu gehört für ihn auch, Ressourcen zu teilen. Der Globalisierung der Migration, so der Papst, müssen wir mit der Globalisierung der Menschlichkeit begegnen.

Ich bin überzeugt: Wenn wir die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen nicht bekämpfen, werden wir dieses globale Problem nicht lösen. Ziel aller Bemühungen muss es sein, die Heimatländer der Flüchtlinge zu stabilisieren und den Menschen dort Teilhabe an einem menschenwürdigen Leben zu ermöglichen. 

Ressourcen teilen für Aufbauhilfe vor Ort

Reiche Länder wie Deutschland und die anderen G7- beziehungsweise G8-Staaten müssen in der Tat ihre Ressourcen mit den armen teilen und prüfen, welche Ressorts sich dafür nutzen lassen.  Menschliche Solidarität, wirtschaftliche Notwendigkeit und nationale Sicherheit machen es erforderlich, dass sich die Industriestaaten intensiver als je zuvor für die Entwicklungsländer engagieren und Aufbauhilfe leisten: in einer globalen Allianz gegen Armut.

Ressourcen teilen, das heißt: Aufbau und Investitionen vor Ort, und zwar sowohl in den Heimatländern der Flüchtlinge als auch in den stark belasteten Nachbarstaaten, die – selbst Entwicklungsland – die große Masse der Flüchtlinge aufnehmen. 

Vorrangige Aufgabe aller Akteure – einschließlich der Kirchen und der Wirtschaft –muss es sein, die Fluchtursachen zu beseitigen. Der globale Kampf gegen Armut, Hunger, Krankheiten und Hoffnungslosigkeit gelingt nur, wenn wir weltweit Anstrengungen unternehmen, die Lebensbedingungen in den ärmsten Ländern der Welt zu verbessern.

Know-how und Investitionen für Arbeitsplätze

Die meisten Flüchtlinge, die nach Europa kommen, können lesen und schreiben. Aber in ihrer Heimat finden sie keine Möglichkeit, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Dort fehlt es an Know-how und Finanzmitteln – für Erst-Investitionen in die Landwirtschaft und in die Infrastruktur, für Bewässerungsanlagen, Energiegewinnung und den Aufbau einer sozialen Marktwirtschaft. 

Die Industriestaaten haben doch dieses Wissen!  Ihr Engagement, ihre Investitions-bereitschaft ist gefragt. Es wäre schon viel geholfen, wenn ein Entwicklungsland seine Bevölkerung selbst ernähren könnte. Die Hilfe ist in unserem eigenen Interesse! 

Es geht um Klotzen statt Kleckern in der Entwicklungshilfe.  Wie wäre es, wenn die Industrieländer zum Beispiel „Premium-Partnerschaften“ für ausgewählte Entwicklungsländer übernehmen, um Ressourcen zu bündeln und Erfolge nachweislich, sichtbar zu machen? Lassen wir uns vom Afrika-Engagement der großen Stifter-Vorbilder Bill und Melinda Gates und Warren Buffett inspirieren.

Um die globalen Krisen zu bewältigen, müssen Staat und Wirtschaft ihr Know-how sowie ihre personellen und finanziellen Ressourcen für das Engagement in den Entwicklungsländern bündeln, und zwar in allen Ressorts – mit einem Blick über den Tellerrand und in weitaus größeren Dimensionen als bisher.

Europa und NATO gemeinsam

315 Milliarden Euro stellt der Investitionsplan von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als  Risikogarantie für die Projekte zur Verfügung, um private Investoren anzulocken, Arbeitsplätze zu schaffen. Schade, dass es keine Zweckbindung für Investitionen in Entwicklungshilfe gibt. Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Kurzfristig ist das gemeinsame Vorgehen der europäischen Staaten und der NATO gegen Schlepper-Organisationen und Menschenhandel vielversprechend – notfalls auch militärisch unterstützt; laut ZDF-Umfrage wird dieses mehrheitlich von der deutschen Bevölkerung befürwortet.

Und wenn künftig Asylanträge nicht erst in Europa, sondern vor Ort in den deutschen Botschaften der Heimatstaaten der Flüchtlinge geprüft würden, dürfte sich für tausende Menschen eine aussichtslose Reise ins Ungewisse erübrigen. 

Es bringt uns nicht weiter, wenn wir die Augen vor den Problemen verschließen oder wegschauen. Uns allen steht ein weiter Weg mit unzähligen Hindernissen bevor. Es gilt, mit Weitblick den eigenen Egoismus zu überwinden, weltweit eine Vertrauensbasis zu schaffen und Barrieren zwischen Arm und Reich abzubauen. Wir dürfen nicht länger warten.

 

Ihr

Gunter Thielen

 

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01 April 2015

Videoangebot: Kostenloses Bewegtbildmaterial zum Start von angekommen

Mit angekommen starteten das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW, die Stadt Dortmund und die Walter Blüchert Stiftung gemeinsam im Februar ein innovatives Programm für junge Flüchtlinge und Neuankömmlinge. Das Ziel: Sicherheit und ein passender Schulabschluss für die Zielgruppe der 16- bis 25-Jährigen. Damit Integration gelingen kann. Zum Start des Programmes wurden drei Video-Clips in sendefähiger Qualität produziert, die kostenfrei zur redaktionellen Verwendung zur Verfügung stehen.

 

Für TV- und Online-Redaktionen stehen folgende fertig produzierte Clips als free footage zum Abruf in sendefähiger Qualität (auch als clean feed) oder zum Download  aus unserer Mediathek bereit:

 

1. „Schule, die passt!“ Video-Clip zum Start von angekommen in Dortmund.

- Footage Räumlichkeiten

- Footage geförderte Jugendliche (Unterrichtsituation, Freizeitangebote)

- OT Jugendliche

- OT Professor Dr. Gunter Thielen, Vorstandvorsitzender der Walter Blüchert Stiftung

- OT Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

- OT Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund

- OT Manfred Hagedorn, Leiter Regionales Bildungsbüro Dortmund (5:31) 

 

2. Interview mit Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung gemeinsam mit Professor Dr. Gunter Thielen in Düsseldorf beantwortet die Ministerin vier Fragen zur Bedeutung von angekommen für NRW und als politisches Signal für Deutschland. (2:37) 

 

3.  Statement Prof. Dr. Gunter Thielen zur Motivation der Stiftung, jungen Flüchtlingen und Zugewanderten

zu einem gelungen Start in der neuen Heimat zu verhelfen: Weshalb ein maßgeschneidertes Bildungsangebot nicht nur für sie, sondern auch für unser Land und unsere Gesellschaft von enormer Bedeutung ist (3:23)

 

Auf Wunsch wird auch Rohmaterial zur redaktionellen Verwendung zur Verfügung gestellt.

 

Kontakt:  Ursula Willimsky
presse@remove-this.walter-bluechert-stiftung.de
0179 39 79 332

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03 März 2015

Gunter Thielen zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 18.1.2015:

Barrieren überwinden: Integration durch Bildung und Begleitung

Am 18. Januar ist es wieder so weit: Flüchtlingsorganisationen und Kirchen erinnern seit 1914 jeweils am 3. Sonntag im Januar an die Menschen, die ihre Heimatländer wegen Kriegen, Naturkatastrophen, Armut, Gewalt und Verfolgung verlassen mussten. Weltweit sind 50 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland haben im vergangenen Jahr rund 200.000 Menschen einen Asylantrag gestellt, berichtet das Bundesamt für Migranten und Flüchtlinge in Nürnberg.

Es reicht nicht aus, diese Menschen zu verwalten und ihnen mit Toleranz zu begegnen. Wir müssen uns aktiv kümmern und uns Gedanken machen, wie aus Flüchtlingen, wenn sie bei uns bleiben, Mitmenschen werden, die bei uns eine Heimat finden. Ausgrenzung ist der falsche Weg.

Viele ehrenamtliche Helfer engagieren sich bereits. Und auch die Kommunen haben erkannt, dass Integration nur dann gelingt, wenn Neuankömmlinge Zukunftsperspektiven entwickeln können.

Flüchtlingskinder ohne Eltern

Unter den Migranten, die in Deutschland leben, haben etwa 2500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt (Stand: 2013), mehr als 6500 wurden 2013 von den Jugendämtern in Obhut genommen. Die Kinder kamen mit Schleppern, zu Fuß oder in Lastern versteckt oder in Booten übers Mittelmeer. Viele wurden auf der Flucht Opfer von Söldnern, Vergewaltigern und Kinderhändlern, mussten selbst als Kindersoldaten töten. Ihre Eltern und Geschwister sind vermisst, verschollen oder tot.

Was geschieht bei uns mit ihnen? Wie begegnen wir in Deutschland diesen Kindern und Jugendlichen? Überlassen wir sie den Behörden, verstecken unser Desinteresse hinter Bürokraten-Denken und Gesetzen? Oder wollen wir ihnen helfen, in unserem Land eine neue Heimat zu finden?

Kaum Zugang zum Bildungssystem

Der Alltag der Flüchtlingskinder ist geprägt durch die Erfahrungen der Flucht sowie durch den rechtlichen Status „Flüchtling“. Viele unter ihnen sind aufgrund ihrer Biografien traumatisiert. Orientierungslosigkeit und Zukunftsängste sind ihre ständigen Begleiter. Der Traum, in Europa Halt zu finden und ihr Leben ordnen zu können, erweist sich meist als unrealistisch.

Auch wenn für uns Bildung ein Menschenrecht ist: Der Zugang zum staatlichen Bildungssystem etwa ist insbesondere für über 16-Jährige in vielen Bundesländern immer noch erschwert. Und jeder Tag, den die Jugendlichen sprach- und orientierungslos in den Aufnahmelagern oder auf der Straße verbleiben, befördert Negativkarrieren und belastet sowohl die Jugendlichen selbst als auch ihr soziales Umfeld.

Junge Menschen mit viel Mut und starkem Willen

Wir vergessen oft: Wer es als Flüchtling bis hierher geschafft hat, der hat gelernt zu überleben. Migranten sind nicht nur von Angst und Ungewissheit geprägt. Sie bringen auch viel Mut mit und den starken Willen, sich ein besseres Leben aufzubauen. Meist können diese Teenager oder junge Erwachsene kein Deutsch. Dafür haben sie bewiesen, dass sie Ziele verfolgen, nicht aufgeben und sich in der Fremde zurechtfinden können. Sie wissen, wie man sich mit verschiedensten Jobs durchschlägt, haben handwerkliche Fähigkeiten, vielleicht auch einen Sinn für Zahlen, sind offen für alles, was neu ist.

Vorbildlich: Schulanaloger Unterricht schafft Perspektiven

In München zeigt die staatlich anerkannte SchlaU-Schule mit ihrem schulanalogen Unterricht für junge Flüchtlinge vorbildlich, wie es gelingt, diese jungen Menschen aufzufangen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Auch die Walter Blüchert Stiftung gehört zu den Förderern dieser Schule.

Mit dem Angebot der SchlaU-Schule, 2014 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, wurde europaweit erstmals ein ganzheitliches Schulkonzept für die Zielgruppe der 16- bis 21-Jährigen – in Ausnahmefällen bis 25-Jährigen –  entwickelt. Im Unterschied zur Regelschule setzt das Konzept des schulanalogen Unterrichts auf ein durchlässiges Klassenstufensystem und auf geringe Klassenstärken mit durchschnittlich 16 Lernenden pro Klasse.

Menschenrecht auf Bildung und Schule

Das SchlaU-Schulkonzept schließt an aktuelle Inklusionsdebatten an: Eine gezielte, intensive individuelle Förderung in geschütztem Rahmen ermöglicht es den Jugendlichen, bereits nach kurzer Zeit in das deutsche Regelschul- und Ausbildungssystem zu wechseln. Schule wird als Raum des gemeinsamen Lernens verstanden, der Persönlichkeitsentwicklung fördert und Zukunftschancen eröffnet. So können die jungen Flüchtlinge ihr Menschenrecht auf Bildung und Schule wahrnehmen und an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Individuelle Begleitung für junge Flüchtlinge

In der Walter Blüchert Stiftung haben wir uns genau dieses zur Aufgabe gemacht: Menschen zu helfen, deren Teilhabe an der Gesellschaft schwierig bis aussichtlos erscheint. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Potenziale zu entwickeln, damit sie ihre persönlichen und gesellschaftlichen  Barrieren überwinden können. Deshalb engagieren wir uns auch für die SchlaU-Schule und ihr Konzept.

Und wir werden mit unseren Fördermitteln dazu beitragen, dass auch in Nordrhein-Westfalen junge Flüchtlinge mehr Chancen auf Bildung erhalten. Denn wir sind überzeugt: Individuelle Begleitung auf dem Weg in unser Schul- und Ausbildungssystem leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und kommt nicht nur den jungen Menschen, sondern letztlich unserer Gesellschaft insgesamt zu Gute.

Herzlichst 

Ihr

Gunter Thielen

 

Nähere Informationen zur SchlaU-Schule finden Sie hier.

 

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17 Februar 2015

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