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Kommunikation | Silke Hanheide

03 März 2015

Gunter Thielen zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 18.1.2015:

Barrieren überwinden: Integration durch Bildung und Begleitung

Am 18. Januar ist es wieder so weit: Flüchtlingsorganisationen und Kirchen erinnern seit 1914 jeweils am 3. Sonntag im Januar an die Menschen, die ihre Heimatländer wegen Kriegen, Naturkatastrophen, Armut, Gewalt und Verfolgung verlassen mussten. Weltweit sind 50 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland haben im vergangenen Jahr rund 200.000 Menschen einen Asylantrag gestellt, berichtet das Bundesamt für Migranten und Flüchtlinge in Nürnberg.

Es reicht nicht aus, diese Menschen zu verwalten und ihnen mit Toleranz zu begegnen. Wir müssen uns aktiv kümmern und uns Gedanken machen, wie aus Flüchtlingen, wenn sie bei uns bleiben, Mitmenschen werden, die bei uns eine Heimat finden. Ausgrenzung ist der falsche Weg.

Viele ehrenamtliche Helfer engagieren sich bereits. Und auch die Kommunen haben erkannt, dass Integration nur dann gelingt, wenn Neuankömmlinge Zukunftsperspektiven entwickeln können.

Flüchtlingskinder ohne Eltern

Unter den Migranten, die in Deutschland leben, haben etwa 2500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt (Stand: 2013), mehr als 6500 wurden 2013 von den Jugendämtern in Obhut genommen. Die Kinder kamen mit Schleppern, zu Fuß oder in Lastern versteckt oder in Booten übers Mittelmeer. Viele wurden auf der Flucht Opfer von Söldnern, Vergewaltigern und Kinderhändlern, mussten selbst als Kindersoldaten töten. Ihre Eltern und Geschwister sind vermisst, verschollen oder tot.

Was geschieht bei uns mit ihnen? Wie begegnen wir in Deutschland diesen Kindern und Jugendlichen? Überlassen wir sie den Behörden, verstecken unser Desinteresse hinter Bürokraten-Denken und Gesetzen? Oder wollen wir ihnen helfen, in unserem Land eine neue Heimat zu finden?

Kaum Zugang zum Bildungssystem

Der Alltag der Flüchtlingskinder ist geprägt durch die Erfahrungen der Flucht sowie durch den rechtlichen Status „Flüchtling“. Viele unter ihnen sind aufgrund ihrer Biografien traumatisiert. Orientierungslosigkeit und Zukunftsängste sind ihre ständigen Begleiter. Der Traum, in Europa Halt zu finden und ihr Leben ordnen zu können, erweist sich meist als unrealistisch.

Auch wenn für uns Bildung ein Menschenrecht ist: Der Zugang zum staatlichen Bildungssystem etwa ist insbesondere für über 16-Jährige in vielen Bundesländern immer noch erschwert. Und jeder Tag, den die Jugendlichen sprach- und orientierungslos in den Aufnahmelagern oder auf der Straße verbleiben, befördert Negativkarrieren und belastet sowohl die Jugendlichen selbst als auch ihr soziales Umfeld.

Junge Menschen mit viel Mut und starkem Willen

Wir vergessen oft: Wer es als Flüchtling bis hierher geschafft hat, der hat gelernt zu überleben. Migranten sind nicht nur von Angst und Ungewissheit geprägt. Sie bringen auch viel Mut mit und den starken Willen, sich ein besseres Leben aufzubauen. Meist können diese Teenager oder junge Erwachsene kein Deutsch. Dafür haben sie bewiesen, dass sie Ziele verfolgen, nicht aufgeben und sich in der Fremde zurechtfinden können. Sie wissen, wie man sich mit verschiedensten Jobs durchschlägt, haben handwerkliche Fähigkeiten, vielleicht auch einen Sinn für Zahlen, sind offen für alles, was neu ist.

Vorbildlich: Schulanaloger Unterricht schafft Perspektiven

In München zeigt die staatlich anerkannte SchlaU-Schule mit ihrem schulanalogen Unterricht für junge Flüchtlinge vorbildlich, wie es gelingt, diese jungen Menschen aufzufangen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Auch die Walter Blüchert Stiftung gehört zu den Förderern dieser Schule.

Mit dem Angebot der SchlaU-Schule, 2014 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, wurde europaweit erstmals ein ganzheitliches Schulkonzept für die Zielgruppe der 16- bis 21-Jährigen – in Ausnahmefällen bis 25-Jährigen –  entwickelt. Im Unterschied zur Regelschule setzt das Konzept des schulanalogen Unterrichts auf ein durchlässiges Klassenstufensystem und auf geringe Klassenstärken mit durchschnittlich 16 Lernenden pro Klasse.

Menschenrecht auf Bildung und Schule

Das SchlaU-Schulkonzept schließt an aktuelle Inklusionsdebatten an: Eine gezielte, intensive individuelle Förderung in geschütztem Rahmen ermöglicht es den Jugendlichen, bereits nach kurzer Zeit in das deutsche Regelschul- und Ausbildungssystem zu wechseln. Schule wird als Raum des gemeinsamen Lernens verstanden, der Persönlichkeitsentwicklung fördert und Zukunftschancen eröffnet. So können die jungen Flüchtlinge ihr Menschenrecht auf Bildung und Schule wahrnehmen und an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Individuelle Begleitung für junge Flüchtlinge

In der Walter Blüchert Stiftung haben wir uns genau dieses zur Aufgabe gemacht: Menschen zu helfen, deren Teilhabe an der Gesellschaft schwierig bis aussichtlos erscheint. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Potenziale zu entwickeln, damit sie ihre persönlichen und gesellschaftlichen  Barrieren überwinden können. Deshalb engagieren wir uns auch für die SchlaU-Schule und ihr Konzept.

Und wir werden mit unseren Fördermitteln dazu beitragen, dass auch in Nordrhein-Westfalen junge Flüchtlinge mehr Chancen auf Bildung erhalten. Denn wir sind überzeugt: Individuelle Begleitung auf dem Weg in unser Schul- und Ausbildungssystem leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und kommt nicht nur den jungen Menschen, sondern letztlich unserer Gesellschaft insgesamt zu Gute.

Herzlichst 

Ihr

Gunter Thielen

 

Nähere Informationen zur SchlaU-Schule finden Sie hier.

 

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17 Februar 2015

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12 Februar 2015

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11 Februar 2015

Unterzeichnung des Kooperationsvertrages

Für junge Flüchtlinge und Zugewanderte: „Angekommen in deiner Stadt Dortmund“
NRW‐Schulministerium, Stadt Dortmund und Walter Blüchert Stiftung unterzeichnen Kooperationsvertrag

Düsseldorf/Dortmund/Gütersloh, 11.02.2015: In Dortmund startet ein innovatives Integrationsprogramm fur junge Fluchtlinge und Zugewanderte: „Angekommen in deiner Stadt Dortmund“. In Vertretung für Schulministerin Sylvia Löhrmann haben Ludwig Hecke, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung, sowie der Dortmunder Oberburgermeister Ullrich Sierau und Prof. Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Walter Bluchert Stiftung, den Kooperationsvertrag fur das Gemeinschaftsprojekt unterzeichnet.

 

Mit dem Programm „angekommen“ wird ein passgenaues Bildungsangebot für die Zielgruppe der 16‐ bis 25­‐jährigen Jugendlichen aufgebaut und in Dortmund etabliert. Das Zwei‐Säulen­‐Konzept der Stiftung umfasst die individuelle Förderung fur einen schnellen Schulabschluss einschließlich Start in eine Berufsausbildung in einem durchlässigen System – bei gleichzeitiger Betreuung und Begleitung auch nach dem Unterricht, an den Wochenenden und in den Ferien, damit Integration gelingen kann.

 

„Zugewanderte Jugendliche sollen in NRW gut ankommen und sich angenommen fühlen. Dazu sind gute Bildungschancen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, unerlässlich“, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann aus Anlass der Unterzeichnung. Das Programm unterstütze den Ansatz des Schulministeriums, für alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Schullaufbahn mit anschließendem Ausbildungs‐ und Berufsweg zu schaffen. „Wir wollen die Übergänge möglichst reibungslos gestalten“, so Löhrmann weiter. „Jugendliche sollen hier bei uns aktiv teilhaben können. Damit wird auch die interkulturelle Verständigung in Schule und Gesellschaft gestärkt“.

 

„Wir wollen mit ,angekommen’ jungen Flüchtlingen und Zugewanderten helfen, in Deutschland Fuß zu fassen“, erklärt Prof. Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Walter Blüchert Stiftung. Wichtig sei es, den jungen Neuankömmlingen eine Perspektive zu bieten: „Eine Perspektive, die sie in Arbeit und Brot bringt und ihnen ein erfülltes, produktives Lebenermöglicht“, so Thielen. Er ist überzeugt: „Davon profitiert auch unsere Gesellschaft. Denn mit diesen Jugendlichen gewinnen wir nicht nur engagierte Mitbürger, sondern auch Fachkräfte für unsere Wirtschaft.“

 

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau begrüßt die Kooperation und die Unterstützung durch die Stiftung: „Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern, ist eines der wichtigsten Anliegen der Stadt Dortmund. Kinder von Flüchtlingen und Zugewanderten haben es oftmals besonders schwer - ihnen müssen wir ein qualifiziertes Bildungs‐ und Unterstützungsangebot ermöglichen. Das Projekt ,Angekommen in deiner Stadt Dortmund’ ist genau so ein Baustein, der es uns in Dortmund ermöglicht, passgenaue Angebote auszuweiten und mit den vorhanden Aktivitäten zu verknüpfen.“

 

In den Dortmunder Berufskollegs werden derzeit knapp 300 zugewanderte Jugendliche beschult. Das Projekt „angekommen“ unterstützt die Jugendlichen, indem sie Schule an einem anderen Lernort erleben und Angebote im Nachmittagsbereich vorfinden. Diese systematische Verzahnung von schulischer und außerschulischer Bildung hilft den Jugendlichen, in Dortmund anzukommen.

 

Das zugrunde liegende Konzept zum Projekt „Angekommen in deiner Stadt Dortmund“ wurde gemeinsam vom Dienstleistungszentrum Bildung und dem Regionalen Bildungsbüro im Fachbereich Schule der Stadt Dortmund in Kooperation mit der Walter Blüchert Stiftung und dem Schulministerium entwickelt.

Kontakte für Rückfragen: Pressestelle Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, Tel. 0211‐5867‐3505/06, presse@msw.nrw.de

Anke Widow, Pressestelle Stadt Dortmund, Tel. 0231-­‐5022135; E‐Mail: anke.widow@stadtdo.de

Regina Körner, Kommunikationsberatung Walter Blüchert Stiftung, Tel. 0178‐456‐1800; E‐Mail: presse@walter‐bluechert‐stiftung.de

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10 Februar 2015

„Dieses Projekt setzt ein Zeichen.“

„Dieses Projekt setzt ein Zeichen, dass wir in Nordrhein-Westfalen eine andere Gesellschaft gestalten,“ erklärt Ministerin Sylvia Löhrmann am Rande der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit der Walter Blüchert Stiftung am 10. Februar 2015 in Düsseldorf. ”Wir wissen, dass hier die unterschiedlichsten Kulturen und Nationalitäten zusammen leben. Wir sehen das als Potenzial und wollen es nicht abwehren, sondern gestalten. Und dafür steht dieses Projekt.“
 
Das Interview mit Regina Körner findet sich in sendefähiger Qualität in der MEDIATHEK. Länge: 2:37

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