Aktuelles

Presse und Öffentlichkeitsarbeit | tel  05241.17949-0 | presse(at)walter-bluechert-stiftung.de
Kommunikation | Silke Hanheide

09 Februar 2015

Prof. Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender

Prof. Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender

Hintergrund: Gunter Thielen zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 18.1.2015

 

Am 18. Januar ist es wieder so weit: Flüchtlingsorganisationen und Kirchen erinnern seit 1914 jeweils am 3. Sonntag im Januar an die Menschen, die ihre Heimatländer wegen Kriegen, Naturkatastrophen, Armut, Gewalt und Verfolgung verlassen mussten. Weltweit sind über 50 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland haben im vergangenen Jahr rund 200.000 Menschen einen Asylantrag gestellt, berichtet das Bundesamt für Migranten und Flüchtlinge in Nürnberg.

 

Es reicht nicht aus, diese Menschen zu verwalten und ihnen mit Toleranz zu begegnen. Wir müssen uns aktiv kümmern und uns Gedanken machen, wie aus Flüchtlingen, wenn sie bei uns bleiben, Mitmenschen werden, die bei uns eine Heimat finden. Ausgrenzung ist der falsche Weg.

Viele ehrenamtliche Helfer engagieren sich bereits. Und auch die Kommunen haben erkannt, dass Integration nur dann gelingt, wenn Neuankömmlinge Zukunftsperspektiven entwickeln können.

 

Flüchtlingskinder ohne Eltern

Unter den Migranten, die in Deutschland leben, haben etwa 2500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt (Stand: 2013), mehr als 6500 wurden 2013 von den Jugendämtern in Obhut genommen. Die Kinder kamen mit Schleppern, zu Fuß oder in Lastern versteckt oder in Booten übers Mittelmeer. Viele wurden auf der Flucht Opfer von Söldnern, Vergewaltigern und Kinderhändlern, mussten selbst als Kindersoldaten töten. Ihre Eltern und Geschwister sind vermisst, verschollen oder tot.

 

Was geschieht bei uns mit ihnen? Wie begegnen wir in Deutschland diesen Kindern und Jugendlichen? Überlassen wir sie den Behörden, verstecken unser Desinteresse hinter Bürokraten-Denken und Gesetzen? Oder wollen wir ihnen helfen, in unserem Land eine neue Heimat zu finden?

 

Kaum Zugang zum Bildungssystem

Der Alltag der Flüchtlingskinder ist geprägt durch die Erfahrungen der Flucht sowie durch den rechtlichen Status „Flüchtling“. Viele unter ihnen sind aufgrund ihrer Biografien traumatisiert. Orientierungslosigkeit und Zukunftsängste sind ihre ständigen Begleiter. Der Traum, in Europa Halt zu finden und ihr Leben ordnen zu können, erweist sich meist als unrealistisch.

Auch wenn für uns Bildung ein Menschenrecht ist: Der Zugang zum staatlichen Bildungssystem etwa ist insbesondere für über 16-Jährige in vielen Bundesländern immer noch erschwert. Und jeder Tag, den die Jugendlichen sprach- und orientierungslos in den Aufnahmelagern oder auf der Straße verbleiben, befördert Negativkarrieren und belastet sowohl die Jugendlichen selbst als auch ihr soziales Umfeld.

 

Junge Menschen mit viel Mut und starkem Willen

Wir vergessen oft: Wer es als Flüchtling bis hierher geschafft hat, der hat gelernt zu überleben. Migranten sind nicht nur von Angst und Ungewissheit geprägt. Sie bringen auch viel Mut mit und den starken Willen, sich ein besseres Leben aufzubauen. Meist können diese Teenager oder junge Erwachsene kein Deutsch. Dafür haben sie bewiesen, dass sie Ziele verfolgen, nicht aufgeben und sich in der Fremde zurechtfinden können. Sie wissen, wie man sich mit verschiedensten Jobs durchschlägt, haben handwerkliche Fähigkeiten, vielleicht auch einen Sinn für Zahlen, sind offen für alles, was neu ist.

 

Vorbildlich: Schulanaloger Unterricht schafft Perspektiven

In München zeigt die staatlich anerkannte SchlaU-Schule mit ihrem schulanalogen Unterricht für junge Flüchtlinge vorbildlich, wie es gelingt, diese jungen Menschen aufzufangen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Auch die Walter Blüchert Stiftung gehört zu den Förderern dieser Schule.

Mit dem Angebot der SchlaU-Schule, 2014 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, wurde europaweit erstmals ein ganzheitliches Schulkonzept für die Zielgruppe der 16- bis 21-Jährigen – in Ausnahmefällen bis 25-Jährigen –  entwickelt. Im Unterschied zur Regelschule setzt das Konzept des schulanalogen Unterrichts auf ein durchlässiges Klassenstufensystem und auf geringe Klassenstärken mit durchschnittlich 16 Lernenden pro Klasse.

 

Menschenrecht auf Bildung und Schule

Das SchlaU-Schulkonzept schließt an aktuelle Inklusionsdebatten an: Eine gezielte, intensive individuelle Förderung in geschütztem Rahmen ermöglicht es den Jugendlichen, bereits nach kurzer Zeit in das deutsche Regelschul- und Ausbildungssystem zu wechseln. Schule wird als Raum des gemeinsamen Lernens verstanden, der Persönlichkeitsentwicklung fördert und Zukunftschancen eröffnet. So können die jungen Flüchtlinge ihr Menschenrecht auf Bildung und Schule wahrnehmen und an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben.

 

Individuelle Begleitung für junge Flüchtlinge

In der Walter Blüchert Stiftung haben wir uns genau dieses zur Aufgabe gemacht: Menschen zu helfen, deren Teilhabe an der Gesellschaft schwierig bis aussichtlos erscheint. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Potenziale zu entwickeln, damit sie ihre persönlichen und gesellschaftlichen  Barrieren überwinden können. Deshalb engagieren wir uns auch für die SchlaU-Schule und ihr Konzept.

Und wir werden mit unseren Fördermitteln dazu beitragen, dass auch in Nordrhein-Westfalen junge Flüchtlinge mehr Chancen auf Bildung erhalten. Denn wir sind überzeugt: Individuelle Begleitung auf dem Weg in unser Schul- und Ausbildungssystem leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und kommt nicht nur den jungen Menschen, sondern letztlich unserer Gesellschaft insgesamt zu Gute.

 

Programme

Die Walter Blüchert Stiftung unterstütz die SchlaU-Schule in München: Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge

www.walter-bluechert-stiftung.de/projekte/foerderprojekte/schlau/

Und startet ihr eigenes Programm angekommen – Für junge Flüchtlinge und Zugewanderte: Schule, die passt - gemeinsam mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Dortmund am 11. Februar 2015

www.an-ge-kommen.de

 

weiterlesen

03 Februar 2015

Auftaktveranstaltung und Kooperationsvereinbarung zum angekommen-Programm

 

Bildung, Betreuung und Begleitung: Angekommen in Deiner Stadt Dortmund

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung findet die Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Ministerium für Schule und Weiterbildung, der Stadt Dortmund und der Walter-Blüchert-Stiftung statt. 

Datum und Ort: Mittwoch, 11.2.2015, in der ehemaligen Hauptschule Innenstadt-West, Möllerstraße 3, 44137 Dortmund.

 

 

weiterlesen

03 Februar 2015

Das angekommen-Factsheet

 

Für Flüchtlinge und Zugewanderte: Schule, die passt.
Im angekommen-Factsheet finden Sie die wichtigsten Fakten über das neue Projekt der Walter Blüchert Stiftung kurz zusammengefasst.

Download PDF

weiterlesen

26 Januar 2015

weiterlesen