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23 Juli 2018

Klaus Banaszak und Wolfgang Euteneuer bringen angekommen-Teilnehmenden in Dortmund das Radfahren bei.

Junge Flüchtlinge wollen Deutschland etwas zurückgeben

Mit Anfang 60 könnte es Wolfgang Euteneuer eigentlich entspannt angehen lassen, sich um Familie und Hobbies kümmern. Aktiv war er schließlich lange genug: Erst als Fußballprofi beim VfL Bochum, später als Lehrer und Schulleiter in Dortmund. Aber zuhause rumsitzen, das ist nichts für ihn, sagt er. Er braucht Menschen um sich, und eine Aufgabe.

Seit knapp drei Jahren ist Wolfgang Euteneuer Leiter des Projekts „angekommen in deiner Stadt Dortmund“, das jungen, unbegleiteten Flüchtlingen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren dabei hilft, in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Viele von ihnen haben Krieg und Gewalt erlebt, sind unter dramatischen Bedingungen und Gefahr für Leib und Leben geflohen, haben Eltern, Geschwister und Freunde hinter sich gelassen und sollen sich nun in Deutschland zurechtfinden. Ohne familiäres Umfeld, ohne wärmendes Nest – oft ohne auch zu wissen, ob und wie lange sie hierbleiben können.

Rund 800 Jugendliche werden derzeit allein im Dortmunder „angekommen“-Projekt betreut, weitere „angekommen“-Standorte sind Münster, Bielefeld, Essen und Recklinghausen. Unter anderem die Stadt Dortmund, das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen und die Walter Blüchert Stiftung finanzieren das Projekt. Dazu gehören nicht nur die Stellen von Wolfgang Euteneuer und seinem Team, sondern auch „Adam´s Corner“, den Raum, in dem sich viele Jugendliche in ihrer Freizeit und für gemeinsame Aktivitäten treffen, außerdem ein umfangreiches Kurs- und Freizeitangebot. Es gibt – sehr begehrte – Deutschkurse, Schwimmunterricht (auch für muslimische Mädchen) oder Kochkurse, aber auch gemeinsame Exkursionen in den Düsseldorfer Landtag oder Projekte wie Möbelbauen oder "Aufbau des Computers". Auch hier zeigt sich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen vieler „angekommen“-Teilnehmer sind: einige sind mit Computern und ihren Bauteilen bestens vertraut, andere haben noch nie mit einem Rechner gearbeitet.

Für die Jugendlichen besonders wichtig: ein großes Freizeitangebot

Das „angekommen“-Konzept ruht auf zwei Säulen: individueller Unterstützung, damit die Teilnehmer möglichst schnell einen Schulabschluss beziehungsweise eine Berufsausbildung absolvieren (denn in Deutschland gilt bis zum 18. Lebensjahr die Schulpflicht, auch für Flüchtlinge mit unsicherem Asylstatus), und kontinuierlicher Begleitung und Betreuung an einem festen und sicheren Ort, auch nach dem Unterricht. Gerade dieses Freizeitangebot, das zeigt sich in den Augen von Wolfgang Euteneuer immer wieder, ist in dieser Altersklasse besonders wichtig. Denn viele junge Männer und Frauen sind froh, nach dem Unterricht am Berufskolleg ihre Deutschkenntnisse weiter vertiefen zu können. Andere wollen gemeinsam kicken, sich bei der Berufsorientierung oder der Suche nach einem Praktikumsplatz unterstützen lassen. Und manche sind einfach froh, der Enge im Flüchtlingsheim, in dem sie sonst oft wohnen, für ein paar Stunden zu entkommen. In Adam´s Corner stehen ihnen die Türen immer offen.

Rund 70 Prozent der Programmteilnehmer in Dortmund sind junge Männer. Die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, einige aus Somalia oder Eritrea. Sie haben überwiegend gute Bleibeperspektiven. Das „angekommen“-Team unterstützt sie gemeinsam mit den Lehrern ihrer Berufskollegs dabei, einen Schulabschluss zu machen und dann in die Ausbildung zu gehen: durch Praktika und Unternehmensbesuche, Angebote zur Berufsorientierung, und nicht zuletzt durch Kontakte zu Arbeitgebern und Ausbildungsbetrieben. Vor allem aber durch Begleitung und Motivation. Und durch Sensibilisierung für deutsche Gepflogenheiten. Denn: „Wie heißt es so schön: Die haben die Zeit und wir haben die Uhr“, frotzelt Wolfgang Euteneuer. In dem vielgehörten Spruch stecke doch eine Menge Wahrheit. So müssten er und sein Team vielen Jugendlichen erst klar machen, wie wichtig Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind, wenn man in Deutschland einen Schulabschluss schaffen oder einen Ausbildungsplatz ergattern will. Probleme zwischen den verschiedenen Landsleuten und Religionen gibt es übrigens gar nicht, vom repressiven Rollenbild einiger Herkunftsländer sei hier nichts zu spüren.

Viele schaffen den Sprung in Ausbildung und Beruf

Aber auch Deutschland kann von den jungen Menschen profitieren, da ist sich Wolfgang Euteneuer allen derzeitigen Diskussionen zum Trotz ganz sicher. Gerade angesichts des wachsenden Fachkräftemangels bieten sich sprachlich gut integrierten Flüchtlinge mit ordentlichem Schulabschluss gute Perspektiven. So haben vier seiner Schützlinge gerade eine Ausbildung zum Altenpfleger gestartet – ein Beruf mit bekanntermaßen riesigem Personalbedarf. „Unsere Schüler sind allesamt hochmotiviert, sie wollen lernen und arbeiten."

Das klappt – genauso wie bei manchen jungen Deutschen – natürlich nicht immer. Aber oft. Die meisten Jugendlichen aus dem Dortmunder Projekt machen ihren Weg. Sie empfinden Deutschland als ihre Heimat und sehen hier ihre Zukunft. Und sie wissen zu schätzen, was das „angekommen“-Team für sie tut und sind dankbar. „Wir wollen Deutschland etwas zurückgeben“, das hört Wolfgang Euteneuer durchaus öfter. Das rührt ihn. Und zeigt, wie wichtig es ist, sich für diese jungen Flüchtlinge zu engagieren. Wichtiger jedenfalls, als zuhause den Rasen zu mähen.

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29 Juni 2018

angekommen-Sommerfest mit vielen Attraktionen

Am Freitag, den 29.06.2018 war es mal wieder soweit. Das Lern- und Begegnungshaus Adam´s Corner lud zum diesjährigen Sommerfest auf dem Schulhof der alten Hauptschule im Westpark ein. Bei schönstem Wetter begrüßten die Mitarbeiter des Projektes „angekommen“, Schüler/-innen der einzelnen Berufskollegs sowie Mitgestalter und Kooperationspartner des Projektes.

In familiärer Atmosphäre entwickelte sich ein Nachmittag voller sportlicher und kultureller Angebote. Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Es gab unterschiedlichste Köstlichkeiten, wie z.B. alkoholfreie Cocktails, Waffeln oder Lahmacun. Einen außergewöhnlichen Kaffee konnten die Besucher am eritreischen Café genießen.

Das Besondere an diesem Sommerfest: Die Schüler/-innen organisierten und begleiteten die Angebote zum großen Teil selbst.

Zusätzlich stellte das Fanprojekt Dortmund e. V. einen Streetcourt zur Verfügung, auf dem die Schüler/-innen ihre fußballerischen Qualitäten auf engstem Raum unter Beweis stellen konnten. Auch für das Fanprojekt Dortmund e. V. stellte der Tag, anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums, einen Besonderen dar.

Weiterhin ermöglichten das Big Tipi und Jugend- und Kulturcafe Rheinische Straße (JKC) des Jugendamtes der Stadt Dortmund das Aufstellen einer riesigen Kletterwand, bei der Jung und Alt ihre aktuelle Fitness nachweisen konnten und dabei sichtlich Spaß hatten. Um das sportliche Angebot abzurunden, stellte der Stadtsport-Bund zusätzlich einen Parcours auf, in dem jedermann so richtig ins Schwitzen kam.

Daneben war es möglich, eigene Graffitibilder zu sprayen, welches vor allen Dingen bei den Schüler/-innen großen Anklang fand.

Des Weiteren konnten die Gäste des Sommerfestes Kunstaktionen sämtlicher Art genießen. Hier sind im Speziellen der Henna-Tattoo – Stand zu erwähnen.

Auf dem Schulhof entstand nachmittags spontan ein großer Sitzkreis, in dem mit professioneller Anleitung, mit afrikanischen Trommeln Musik gemacht wurde. Begleitet wurde dieser von Schülerinnen, die zusätzlich eine gesangliche Kostprobe darboten. Es wurde also auch richtig gefeiert.

 

Fotos: Matthias Hubert

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14 Juni 2018

Zugewanderte Jugendliche aus Dortmund zu Besuch in Düsseldorf

Auf  Einladung des Düsseldorfer Landtags erlebten die Dortmunder Fußballer von "Willkommen im Fußball" einen außergewöhnlichen Tag in der Landeshauptstadt.

Nach einer einstündigen Führung im Landtag konnten die zugewanderten Jugendlichen anschließend mit dem Landtagsabgeordneten Serdar Yücksel und dem MdL a.D. Walter Kern in der Diskussion ihre Fragen zur Lebenssituation in Deutschland stellen  und erhielten wichtige Antworten auf drängende Fragen.

Der Projektleiter von "Angekommen in Dortmund", Wolfgang Euteneuer, hatte die Fahrt vorbereitet und nahm mit der Vertreterin des Schulministeriums, Christiane Schüssler, an den Gesprächen teil. Vom Landtagsgebäude ging es dann zur Spielstätte "Flinger Broich". Im bereits 3. Spiel gegeneinander siegte diesmal die  Landtagself. Das anschließende gemütliche Beisammensein im Vereinsheim von Fortuna Düsseldorf rundete diesen besonderen Tag ab.

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16 April 2018

Musterbeispiel für Integrationspädagogik: Hochschullehrende informieren sich über das Modellprojekt „angekommen in deiner Stadt Bielefeld“.

Internationaler Hochschul-Besuch beim Berufskolleg am Tor 6 in Bielefeld

Erfahrungsaustausch zur Integrationspädagogik am Beispiel des „angekommen“-Modellprojektes

Am 16.04.2018 besuchte eine internationale Gruppe von Hochschullehrenden das Berufskolleg am Tor 6, um Beispiele für ihren Arbeitsauftrag „Professioneller Umgang mit Inklusion und Integration“ kennenzulernen.

Die Hochschulen kooperieren im Sokrates/Erasmus-Programm der europäischen Union, das für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Bildung steht. Die Hochschulmitarbeiter und -lehrenden aus Chile, Brasilien und Argentinien sowie aus Rom, Sevilla, Lissabon und Bielefeld bearbeiten das Thema Integrationspädagogik  im Kontext des Sokrates-Projektes “Solidaris“.

Ziel des Curriculum-Projekts ist es, einen internationalen Lehrplan für integrative Lehrer/innenausbildung zu entwickeln. Dieses Ziel ist auf Grund der aktuellen politischen Lage um die Aufgabe „Flüchtlinge zu integrieren“ erweitert worden.

Das Bielefelder Berufskolleg am Tor 6 beschult seit seiner Gründung 2010 Jugendliche mit besonderen – zum Teil sehr unterschiedlichen – Förderbedarfen. So wurden einige Schülerinnen und Schüler z.B. nach Klasse 8 aus ihren Schulen entlassen, andere haben ein Studium abgebrochen. Sie alle sind auf der Suche nach einer Perspektive und besuchen berufsvorbereitende Maßnahmen der Agentur für Arbeit oder andere Maßnahmeangebote sowie an zwei Tagen in der Woche die Ausbildungsvorbereitungsschule am Berufskolleg Tor 6. Beschult werden auch neu zugewanderte Jugendliche in Internationalen Förderklassen, die u.a. einer besonderen sprachlichen Förderung bedürfen. Das Berufskolleg am Tor 6  kooperiert mit den Bildungswissenschaften der Universität Bielefeld, um eine individuelle Förderung zu ermöglichen.

Seit 2016 wird in diesem Haus das Projekt „angekommen in deiner Stadt Bielefeld“ umgesetzt, finanziert von der Walter Blüchert Stiftung, der Stadt Bielefeld und dem Land Nordrhein-Westfalen. Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklassen aller Bielefelder Berufskollegs besuchen hier ein Nachmittags -und Ferienprogramm.

In diesem Projekt steht die Integration in das gesellschaftliche Leben der Stadt Bielefeld im Vordergrund. Es wird zum einen eine unterstützende, individuell angelegte Lernbegleitung angeboten, z.B. in Deutsch, wenn Sprache noch ein Integrationshemmnis ist. Zum anderen bietet das Projekt Alltagshilfen wie Anleitung zu Reparaturen, Behördenangelegenheiten etc. an sowie Persönlichkeitsentwicklung und Freizeitangebote – u.a. Sport, Musik und Kochen.

Beim Besuch der internationalen Gruppe wurde in einem Kurzvortrag das Konzept des Berufskollegs am Tor 6 vorgestellt. Beim anschließenden Rundgang durch Schule, Werkstätten und Projekträume gab es vor Ort Präsentationen und Fragerunden, so dass die Gäste einen Einblick in die integrative Arbeit des Berufskollegs und des „angekommen“-Projektes gewinnen konnten. Dabei wurde auch verdeutlicht, wie wichtig funktionierende regionale Netzwerke für die integrative Arbeit sind.

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08 September 2017

BVB Co-Trainer Arno Michels zu Gast

Außergewöhnlichen Besuch erhielten Schüler und Mitarbeiter des Projekts "angekommen in deiner Stadt Dortmund". Arno Michels, langjähriger Co-Trainer des BVB und Freund von Ex-Trainer Thomas Tuchel, war bei Projektleiter Wolfgang Euteneuer und seinem Team zu Gast. Arno Michels hatte im vergangenen Jahr, wenn es die Zeit zuließ, "angekommen"-Schüler beim Projekt "Willkommen im Fußball" kennen und schätzen gelernt. Nun ließ er sich aus erster Hand über die vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten dieses Projekts informieren und äußerte mehrfach seine Bewunderung für die geleistete und wichtige Arbeit bei der Integration von zugewanderten Jugendlichen.

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